Gedichte des Monats
September 1999
 


Wendelinus Wurth: d baim heewe | Paul Wagner: Drei Brunne | Erich Thoma: Hesch g´seh? | Erna Jansen: Enander Freund sii |


d baim heewe
Wendelinus Wurth

d baim heewe
mit de näscht
un wurzle
de himmel
un d erde
fescht zamme

weh wenn si
mol luck len
un d mensche
de bode
unter de fieß
un s dach
iwer em kopf
veliere


Drei Brunne
Paul Wagner

An unsem Lebensweg do stöhn drei Brunne,
wänn do drus trinke tuesch, no gosch nit fehl.
Es isch ne Stärki drinn, as wie ne Sunne,
und die erfüllt dr Liib und Seel.

Der Erschti spendet guete Muet und Frohsii
und alles, was dr Freud am Läbe schafft.
Der Zweit’ schenkt d’Liebi dir, die großi
und er verströmt ne gheimi, stilli Chraft.

Und wenn de meinsch, ‘s chönnt ein dervo versiege,
trink halt vom dritte, “Glaube” isch sy Quell;
dä ewig Brunne mueß dr fescht am Herze liege,
no sprudle au die andere wieder früsch und hell.


Hesch g’seh?
Erich Thoma

Hesch g’seh? Sie dräiht e buntes Chleid
Statt schwarz, so wie sich’s ghört im Leid
Hesch’s g’hört? Er het sich scheide loh
Und het defür e Jüngri g’noh

Hesch g’hört? Si hän e Unfall g’ha
Und sin sit dörther übel dra
Hesch g’hört? Mir göhn im Endi zue
In alle Blätter liest mr’s g’nue

I ha’s au g’seh, ha’s müesse höre
Doch zueviel Elend duet mi störe
I möcht mi au e bizli freue
Möcht jede Tag no d’Sunne seh
Nit alles, was i mach bereue
Das loss ich mir vo keinem neh

Im Arme-Teufel duet’s nit nütze
Wenn i Angscht un Mitleid ha
I due en lieber unterstütze
Dann sin mir beidi besser dra

Drum läs i nümi jedi Zitig
Hör nümi jede Radio-Fruscht
Lueg nüm in d’Röhre g’spannt und gittig
Jetzt macht mr’s Läbe wieder Luscht

Und chunnt ein uf de Stross deher
Und frogt: “Hesch’s g’hört, hesch’s g’seh?”
Dann frog’ i nümi: “wo, wenn, wer?”
Sag: “gell ‘s macht nümi weh?”

Sag: “Los emol, wie d’Bienli summe
In hunderttusig Blüete-Zwiege
Schmecksch de Bluescht um’s Mürli ume
Sehsch d’Vögel, wie si ufwärtsstiege?”

Jetzt luegt er mi verwundret a
Un meint, i wär verruckt
“Hän ihr emol e Chranket g’ha
Viellicht e G’schulscht wo druggt?”

Dann loht er mi am Wägrand stoh
Das isch mr wirklich gliech
E bizli spinne hi und do
Macht’s Läbe wieder riech


Enander Freund sii
Erna Jansen

En Freund muesch ha,
suscht bisch arm dra!
E liebi Frau, en liebe Ma,
en nette Nochber nebedra,
de einem au mol beistoh cha.

En Freund de di glückli macht,
de mit dir als mol herzli lacht,
ein de mit dur Dick un Dünn goht,
wenn er di au grad it vestoht.

En Freund dem mer vetraue cha,
duesch de öbis uff em Herz ha.
Ein de tröschtet zue d rechte Zit,
ein de dir Geborgeheit git.

Daß e Freundschaft guet duet hebe,
mueß mer si recht subtil pflege.
D muesch e Freunschaft in dr inne,
wie en zarte Fade spinne!


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